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Vitalmonitor Logo 01Den Vitalmonitor von Pulse7 als reinen Pulsgurt zur Messung der Herzfrequenz zu bezeichnen wäre etwas zu einfach. Der hochpräzise EKG-Sensor hat es in sich und im Zusammenspiel mit der Pulse7 Webapplikation bietet er ambitionierten SportlerInnen eine sehr interessante Möglichkeit zur Trainingssteuerung. Wie das geht, lest ihr hier. [B]

Was ist Herzfrequenzvariabilität (HRV)

Wie Anfangs erwähnt, sehe ich die Einsatzmöglichkeiten des Vitalmonitors in erster Linie für den ambitionierten Amateur und in jedem Fall bei den Profis. Das System basiert auf der Messung der HRV (Herzfrequenzvariabilität), welche zunächste einmal die zeitliche Veränderung der Abstände zwischen den gemessenen Herzschlägen darstellt. Hieraus kann man schon erkennen, dass ein gleichmäßig schlagendes Herz nicht den erholten Zustand des Herzens und des Körpers widerspiegelt. Sonst hieße es vermutlich auf Herzfrequenzregelmäßigkeit. Da ich, trotz vieler Recherchen, noch lange nicht in der Lage bin, erschöpfend über dieses Thema Auskunft zu geben, möchte ich folgende Punkte zur HRV verallgemeinernd festhalten:

  • HRV ist die Veränderung der zeitlichen Abstand aufeinanderfolgender Zerzschläge
  • eine hohe HRV wird als guter Erholungszustand des Körpers angesehen
  • die HRV wird durch viele Umweltfaktoren beeinflusst
  • man benötigt spezielle Meßgeräte (Sensoren) um die benötigten Werte zu messen

Den ersten Punkt habe ich oben schon erläutert. Weiterhin kann man aus den Messungen erkennen, dass das Herz im erholten Zustand "unregelmäßig" schlägt. Unfachmännisch ausgedrückt schlägt es so, wie es ihm gerade einfällt. Diese Unregelmäßigkeiten bewegen sich natürlich im Bereich von Millisekunden, sind aber messbar. Das hat nichts mit Rythmusstörungen zu tun. Diese sind Störungen im internen Ablauf des Herzschlages.

"Unter einer Herzrhythmusstörung (HRS), auch Arrhythmie (griechisch ἄρρυϑμος, „unrhythmisch“) versteht man eine Störung der normalen Herzschlagfolge, verursacht durch nicht regelrechte Vorgänge bei der Erregungsbildung und -leitung im Herzmuskel. Physiologische Veränderungen im Herzrhythmus werden hingegen als Herzfrequenzvariabilität bezeichnet." (Quelle: Wikipedia)

Liegt akut ein Infekt vor oder hat man das letzte intensive Training noch nicht regeneriert, ist nicht nur der Ruhepuls höher, sondern das Herz arbeitet auch regelmäßiger, um diese Belastung möglichst schnell ausgleichen zu können.

Setzen wir jetzt ein gesundes Herz voraus, so wird die HRV nicht nur durch körperliche Belastung beeinflusst, sondern auch recht stark von dem Stress, dem wir ausgesetzt sind. Sei es familiär, beruflich oder sonst wie. Alles das hat einen Einfluss. Daher ist es nicht ganz trivial anhand der rohen Daten zu entscheiden, woher der Stresslevel kommt. Hier sollte man zusätzlich die äußeren Einflüsse und auch die Schlafstunden in einer Übersicht notieren. Wie die Pulse7 Auswertesoftware hier unterstützt, beschreibe ich weiter unten.

Um die Zeit ziwschen den Herzschlägen zu messen, kann man leider nicht jeden Pulssensor benutzen. Nur wenige Brustgurte und Uhren halten diesen Wert fest. Die meisten messen nur die Schläge des Herzen pro Minute, was etwas anderes ist. Das hat meiner Meinung nach auch damit zu tun, dass diese Messungen eher für SportlerInnen gedacht sind, welche leistungsorientiert trainieren. Trainiert man aus Gesundheitsaspekten und nicht um Wettkämpfe zu gewinnen, reichen andere Werte aus, um das Training zu steuern (Puls und Pace). Eines der Messgeräte ist der EKG-Brustgurt Vitalmonitor von Pulse7.

Was wir getestet haben

(Bitte die Bilder anklicken um eine größere Ansicht zu bekommen!)

Vitalmonitor komplett

Der Vitalmonitor von Pulse7 kommt in einer edlen Box, die ordentlich organisiert ist. Alles hat einen festen Platz und insgesamt nimmt der Karton nicht viel Platz weg. In der Praxis wird man den Gurt und die Ladestation (induktive Ladung) irgendwo neben dem Bett aufbewahren. Dort findet nämlich die Messung statt.

Vitalmonitor Ladestation Die Ladestation lädt den Akku des Brustgurtes induktiv. Das bedeutet, ich lege den Brustgurt auf die Station, welche mit einem Magneten den Gurt an der perfekten Stelle fixiert. Ich lasse den Gurt jetzt genau so liegen und er lädt, ohne dass ich die beiden Teilen mit einem Kabel verbinden muss. Ist der Brustgurt geladen, erkenne ich das an einer grünen Kontrollampe.
Vitalmonitor Brustgurt Der Brustgurt ist recht massiv, muss aber auch die hochempfindliche Elektronik sicher schützen. Auf der Vorderseite findet sich im "O" des Schriftzuges der Ein-/Ausschalter. Eine LED zeigt an, dass der Gurt betriebsbereit ist, ebenso ob sich der Gurt per Bluetooth mit dem Smartpone verbunden hat. Hat das EKG das Herzsignal erfasst, ertönt mit jedem Herzschlag ein leiser Piepton. Auf der Rückseite befinden sich zwei Metallsensoren, die empfindlicher messen können, als die Sensoren herkömmlicher Brustgurte.
 Vitalmonitor Card

Zu guter Letzt ist noch die ID-Card zu finden, mit der man sich am Trainingsportal von Pulse7 im Internet, als auch in der kostenlosen App (Android und iOS) anmelden muss. Mir ist nicht bekannt, dass die Daten von anderen Programmen verwendet werden können. Das Webportal und die App bieten allerdings sehr viele Informationen, die zur Trainingssteuerung genutzt werden können.

Zu dem Brustgurt erhält man natürlich auch Support. Hierdurch ist gewährleistet, dass man Fragen zum Umgang mit dem Vitalmonitor und den Messungsergebnissen gründlich klären kann.

 

Was das für die Trainingspraxis heißt

Um die HRV zu bestimmen, muss man morgens eine standardisierte Messung (Morgenmessung) durchführen. Diese läuft immer nach dem gleichen Schema ab: zwei Minuten Ruhemessung im Bett liegend (man sollte allerdings einem möglichen Harndrang nachgehen, da dieser die Messung beeinflussen kann) und dann nochmal 90 Sekunden Atemmessung, wobei die App den Rythmus visuell vorgibt. Man kann auch jederzeit Tagesmessungen (Statusmessung) druchführen, welche nur zwei Minuten dauern. Diese solltem etwa jeweils mit gleichen Abständen zu einer Trainingseinheit, also z. B. immer 15 Minuten vorher und 20 Minuten danach, durchgeführt werden.

Pulse7 App RegenerationZunächst muss das Gerät den Sportler oder die Sportlerin allerdings "kennenlernen". Das kann bis zu 10 Tage dauern. Nach diesem Zeitraum werden in der App und im Internet Daten präsentiert, die ich zur Trainingssteuerung nutzen kann. Anfangs habe ich erwähnt, dass die HRV Auskunft darüber gibt, wie mein Regenerationszustand ist oder anders formuliert: wie ich trainieren sollte. Ist es effizienter für mich ein Training mit hoher Intensität durchzuführen oder sollte ich meinem Körper heute nur ein weniger anstrengendes Training zutrauen. Selbst diese Angaben muss ich allgemein halten, da für jeden Menschen ein intensives Training anders aussieht. Die App bewertet die gemessenen Werte (aktuell und aus den letzten Tagen) und gibt mir eine Empfehlung, wie ich heute maximal trainieren sollte. Die Empfehlung wird im mittleren Bereich angegeben und ist in verschiedene Bereiche (von "Pause"=rot bis "Voll"=grün) visuell unterteilt. Die Anzeigen sind eindeutig und gut beschriftet. Alle Screenshots vom Hersteller findet ihr hier dargestellt und erläutert. (Sorry! Das wären einfach zu viele gewesen!)

Wer ganz genaue Informationen über den Messungsablauf und die Benutzung der Software haben möchte sollte sich den Einführungsfilm ansehen. Hier wird wirklich alles gezeigt und klasse erklärt.

 

 

 

Nachdem ich in der Testphase meine ersten Empfehlungen bekommen hatte, versuchte ich konsequent mein Training danach auszurichten. Das bedeutete, dass ich einen Wochenplan gemacht habe, der aber nur die möglichen Einheiten enthielt. Wann ich diese machte, richtete ich nach der Pulse7 App. Standen intensive Tempointervalle an, habe ich diese an einem Tag gemacht, an dem ich eine Empfehlung für volle Trainingsintensität hatte. Entsprechend habe ich die LongJogs und Laufgymnastik verteilt. Das war anfangs ungewohnt, aber man gewöhnt sich schnell an diese Vorgehensweise. Abgesehn davon ist Abwechslung im Trainingsablauf vorteilhaft zu bewerten. Bei vielen Einheiten schaffte ich es sogar, die Messungen vor und nach der Belastung zu machen. Die App bezieht diese Messungen für die Bewertung mit ein.

Was ich nicht gemacht habe ist, den Gurt als Herzfrequenzmonitor während der sportlichen Tätigkeit zu benutzen.

Um jetzt zum Punkt zu kommen: nach einiger Zeit merkte ich, dass sich die Werte gut entwickelten. Das bedeutete zum Einen, dass ich erkennen konnte, wie meine Regenerationsdauer nach bestimmten Belastungen war. Diese ist bei jedem individuell und hängt von der Regenerationsfähigkeit des Körpers ab. Und diese kann man verbessern, in dem man den Körper effizient belastet. Das funktionkiert nur unzureichend, wenn man stur nach Trainingsplan trainiert - so habe ich das in dieser Trainingsphase für mich herausgefunden.

Zum anderen kann ich meine Trainingsintensität nach dem Regenerationszustand meines Körpers ausrichten. Nach Gefühl zu trainieren hat nämlich so seine tücken. Selbst wenn ich mich müde fühle, kann es sein, dass mein Körper tranierbar ist. Besser vielleicht, als an Tagen, an denen ich mich gut fühle. Idealerweise setzt man die größten Trainingsreize an den Tag der Superkompensation.

Das sind die Phasen, in denen der Körper sich besser wieder herstellt (regeneriert), als er vorher war. Das bedeutet, ich erziele an diesen Tagen den besten Trainingserfolg. Diese Momente lassen sich aber nur schlecht abschätzen. Die App hilft dabei, diese Superkompensation überhaupt durch gezieltes Training zu erreichen und zu nutzen. Falsche Trainingsintensitäten führen im Gegensatz hierzu zum Übertraining, welches man mit dem Vitalmonitor erkennen und rechtzeitig einschreiten kann.

Fazit

In den etwa acht Wochen, in denen ich den Vitalmonitor täglich eingesetzt habe, konnte ich ein Menge über meinen Körper im Zusammenhang mit verschiedenen Trainingsbelastungen erfahren. Habe ich mich an die Empfehlungen zur Belastung gehalten, sind die Regenerationszeiten minimal gewesen. Ich konnte innerhalb einer Woche effizient trainieren, ohne mich zu stark zu belasten. Auf der anderen Seite habe ich festgestellt, wie empfindlich der Körper auf Stress, Schlafmangel und Krankheiten reagiert. Das hätte ich so nicht erwartet und habe auch hier für mich einige Schlüsse ziehen können (nach Möglichkeit Stress vermeiden, ausreichend Schlafen).

Alles in allem ist der Vitalmonitor von Pulse7 für ambitionierte Sportler (Amateure) und Profis in meinen Augen eine lohnende Ergänzung des Trainingsequipments. Ich bin überzeugt davon, dass sich das Training effizienter gestalten lässt und man besser auf äußere Einflüsse regieren kann. Das Starterpaket (wie oben abgebildet) von Pulse7 kostet 439,- EURO im Pulse7 Online-Shop. Das ist absolut nicht wenig. Die Zielgruppe des Vitalmonitor findet sich aber weniger im Lager der Hobbysportler. Wenn man als professioneller Ausdauersportler mal betrachtet, wieviel Geld man für Equipment (ganz zu schweigen von Triathleten) ausgibt, ist dieser Preis wieder relativ.

 

 

Ich bedanke mich bei Pulse7 dafür, dass ich den Vitalmonitor ausprobieren und den Webportal nutzen durfte.


 

 

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Kommentare   

0 # Din 2015-01-20 10:04
Ich hatte vor einiger Zeit mal ein ähnliches Produkt. Leider landete es in Windeseile in der Ecke, wobei ich die Daten schon spannend fand.
Antworten
0 # Redaktion 2015-02-18 13:37
Hi Din, Danke für den Kommentar! Ich fand die Daten nicht nur spannend, sondern setze sie aktuell noch zur Trainingssteuer ung ein. Allerdings nicht mehr auf Basis des Vitalmonitor. Ich will aber noch nicht zu weit vorgreifen. Ein Bericht dazu folgt ...
Viele Grüße, Matthias
Antworten
0 # Florian 2015-02-17 19:30
Nutzt Du den Pulse7 immer noch oder war es ein Testmuster vom Hersteller? Die Frage zielt darauf ab, ob dein beobachteter Aufwärtstrieb anhielt und längerfristige Messungen auch noch ordentlich arbeiten.

Gruß
Florian
Antworten
-1 # Redaktion 2015-02-18 13:43
Hi Florian, Danke für den Kommentar! Der Vitalmonitor war ein Testmuster, dass man mir für etwa acht Wochen zur Verfügung gestellt hat. Aktuell setze ich ein anderes Gerät ein, um die HRV und den Ruhepuls (darauf basiert das Ganze) zu messen und auszuwerten. Man muss die Kurve längerfristig als Trainingsempfeh lung für die aktuelle Tagesform sehen. Deshalb ist diese nicht konstant steigend und abhängig von einer ganzen Reihe von Einflüssen. Ich will aber auch hier noch nicht zu weit vorgreifen. Ein Artikel dazu folgt ...
Viele Grüße, Matthias
Antworten
+1 # Enzo 2015-11-10 04:13
Hallo Matthias, vielen Dank für diesen Beitrag, welcher mich dazu bewogen hat ein Vitalmonitor zu kaufen. Hier meine Eindrücke zu dem Gerät und den App:
+ Hochwertiges Gerät, gute Verpackung, leicht zu installieren
+ gute App, leicht zu bedienen und sehr hilfreiche Auswertungen
+/- Induktive Ladelösung (eine simple, auswechselbare Batterie hätte es auch getan, damit der Preis sinkt)
- zu hoher preis, wenn man die Hardware betrachtet (Brustsensor ist wohl in den 80zigern in Russland designed worden)
- recht sperriger Brustgurt und der gurt selbst ist viel zu kompliziert konstruiert, da man diesen nur sehr schwer abbekommt (auch hier hätte eine standardlösung, wie bei allen anderen Brustgurten die Kosten und dadurch den Preis gesenkt)
- man hat die Moeglichkeit verschenkt, das Gerät auch als HRV Trainingsgerät zu verwenden
Fazit: Tolle Lösung, sehr gute App, jedoch zu teuer da es over-engineered ist und dazu keine HRV Trainingsmöglic hkeit hat
Antworten
0 # ivo 2016-02-06 23:13
hallo matthias!

vielen dank für deinen test! ich bin wirklich auch sehr interessiert an dem thema "hrv-messung" und dem training damit. gibt es denn schon neuigkeiten zu dem "anderen gerät", welches du momentan einsetzt? hast du zufällig erfahrungen mit der "ithlete"-app? die macht doch im grunde auch nichts anderes... und ist dann doch deutlich günstiger...

vielen dank auf jeden fall für diesen wirklich interessanten blog und schöne grüße,
ivo
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