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20150122 medicos 00 1Viele LäuferInnen sammeln Daten und Messwerte, so wie ich das auch mache. Diese werden in lokalen Programmen oder Onlineportalen gespeichert und generieren wiederum neue Werte und Kennzahlen. Wir denken, anhand dieser Werte unsere Leistungsfähigkeit bewerten zu können. Aber seit heute weiß ich, dass ich damit bisher ziemlich daneben lag. Zumindest habe ich gelernt, dass man sich nur wenig auf Faustformeln (Maximalpuls) und abgeleitete Pulszonen verlassen kann. Damit hängen aber wichtige Kennzahlen zusammen, die man für die Trainingsbereiche benötigt. Deshalb habe ich mich zu einer Leistungsdiagnostik (Laktat und Spiroergometrie) bei medicos.AufSchalke entschieden. Was dabei raus kam lest ihr hier. [B]

 

Das „Warum“

Die Entscheidung war nicht, ob ich es machen sollte. Das stand für mich fest, da ich mich auf einen Wettkampf mit einer für mich hohen Distanz vorbereite und ein realistisches Ziel anvisieren möchte. Um nicht vollkommen daneben zu liegen, sowohl nach unten als auch nach oben, wollte ich unbedingt diese Leistungsdiagnostik machen. Kurz vor dem Wettkampf macht so was aber keinen Sinn, da man dann nur noch nach unten korrigieren kann oder seinen Zustand feststellen kann. Aber in drei oder vier Wochen kann man einfach keine Ausdauer-Berge mehr versetzen.

Aktuell habe ich aber noch ein paar Monate Zeit und kann gezielt an meinen Defiziten arbeiten. Welche das tatsächlich sind erwartete ich durch diesen Test heraus zu bekommen. Also erkundigte ich mich im Internet, wo man so was machen kann. Es gibt da Empfehlungen der DGSP (Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention – Deutscher Sportärztebund). Hier findet sich eine Liste von Allgemeinmediziner, bei denen man die Untersuchung machen lassen kann.

Einen deutlicheren Ausschlag hat für mich gegeben, dass verschiedene Krankenkassen diese Untersuchung finanziell bezuschussen. Meine erste Idee ging dahin, die Untersuchung am Sportmedizinischen Fachbereich der Ruhr-Uni Bochum machen zu lassen. Wie sich bei einem Gespräch mit der Techniker Krankenkasse (TK) herausstellte, werden hier aber keine Zuschüsse gewährt. Also doch der Allgemeinmediziner? Eine Alternative war noch das medicos Auf Schalke in Gelsenkirchen - für alle, die nichts mit dem Namen „Schalke“ anfangen können. Hier bestätigte der nette Herr von der TK die Zuschüsse. Also stand der Ort schon mal fest. Ging es als nächstes um den Termin.

Ich wollte ja nicht mehr so lange mit dem Test warten. Das erste Telefonat mit dem Bereich Leistungsdiagnostik des medicos verlief sehr angenehm und wir fanden schnell einen geeigneten Termin. „Nehmen sie sich drei Stunden Zeit. So lange wird das vermutlich dauern. Hängt ein wenig davon ab, wie lange sie laufen.“ Okay, dachte ich. Planen wir mal eine ganzen Tag arbeitsfrei ein.

Vor Ort Auf Schalke

Um 8:30 Uhr sollte das ganze Spektakel starten. Ich plante genug Zeit für die relativ kurze Anfahrt ein und konnte an diesem Tag vorher noch meine Kinder an den Schulen absetzen. Nach kurzer Parkplatzsuche erreichte ich das Gebäude des medicos im Herz der Sportanlagen des FC Schalke 04. Obwohl, einfach nur von einem Gebäude zu sprechen, trifft die Sache nicht ganz. Spätestens wenn man in den Empfangsbereich kommt, hat man eher das Gefühl, in einem Hotel gelandet zu sein, als in einer großen Reha-Physio-Sportmedizin-Praxis. Es wimmelte nur so von Leuten, denen man ihr Leiden mehr oder weniger ansehen kann. Zumindest waren alle irgendwie in sportlicher Kleidung.

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Hinweis: auf Rücksicht auf die anderen Patienten habe ich nur wenige Aufnahmen innerhalb des Gebäudes gemacht!

Am Empfang bekam ich eine elektronische Schlüsselkarte für den Zugang zur Umkleide und für den Spind. Im Treppenhaus mit integriertem Lift dominiert die Farbe blau. Ein unverkennbares Zeichen dafür, welcher Verein hier in unmittelbarer Nähe trainiert.

Auf den Gängen und in der Umkleide befanden sich dann aber in erster Linie Leute, die zur Reha oder Therapie wollten. Von Bundesligaspielern habe ich nichts gesehen. Um in die Umkleide zu gelangen, musste ich in das dritte Obergeschoss. Hier gab es die erste gesicherte Tür, die ich mit meiner Karte öffnen konnte. Die Umkleide selbst war beeindruckend gestaltet und mit elektronischen Spinden ausgestattet. Ich zog mich in Ruhe um und musste dann wieder einen Stock tiefer. Vorbei am Bistro, wo sich erstaunlich viele Patienten aufhielten, kam ich dann endlich in den Bereich der Leistungsdiagnostik. An der Anmeldung wurde ich sehr freundlich von Fr. Liening-Ewert (Stellvertretende Leiterin der Leistungsdiagnostik) empfangen und sollte zunächst ein Formular mit allgemeinen Daten ausfüllen, so wie man es von jedem ersten Besuch in einer Praxis kennt.

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Nach kurzer Wartezeit wurde zunächst ein Ruhe-EKG geschrieben. Mit diesem ging es dann weiter zu Dr. Middel (Ärztlicher Leiter der Leistungsdiagnostik). Dieser befragte mich erst zu möglichen Vorerkrankungen und führte dann ein paar allgemeine Untersuchungen durch. Die Lunge wurde abgehört, Blutdruck und Puls gemessen und die Beweglichkeit der Beine kurz geprüft. Aus dem EKG und der Voruntersuchung haben sich erfreulicherweise keine Bedenken gegen den Leistungstest ergeben, so dass es jetzt ans Eingemachte gehen konnte.

Jetzt wird gelaufen

Bei der Terminvereinbarung wurde festgelegt, dass die Tests auf dem Laufband stattfinden werden. Hört sich sinnvoll an, wird aber bei manchen Sportmedizinern nicht angeboten. Hier wird dann auf ein Ergometer ausgewichen, welches den ausgeübten Sport natürlich nicht wirklich widerspiegelt. Auch schon deshalb fand ich das medicos ein gute Wahl.

Während der ganzen Zeit auf dem Laufband läuft ein EKG mit. Ebenso wird der Puls per Brustgurt gemessen. Kennt man ja vom Training. Für die Spiroergometrie muss man eine Maske auf dem Gesicht tragen. Das ist natürlich so eine Sache. Wer mit solchen Masken ein Problem hat, der sollte auf diesen Teil des Tests verzichten. Für die Leistungsdiagnostik ist dieser nicht zwingend erforderlich, gibt aber wertvolle Informationen zur Atmung während der Belastung. Etwaige Einschränkungen der Lungenfunktion können ebenfalls aufgedeckt werden.

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Diese ganzen Apparaturen mussten natürlich erst einmal ordentlich verkabelt werden. So langsam wurde mir klar, warum so ein Test gut und gerne drei Stunden dauern kann. Zuerst wurden die EKG Sensoren aufgeklebt. Danach kam der Brustgurt dran – nix Besonderes. Über die ganzen Sensoren kam ein Netzschlauch, quasi wie ein Unterhemd. Damit werden die Kontakte auf der Haut gehalten und fallen nicht ab.

600px SpiroergometrieZum Schluss dann die Atemmaske – das ist schon eine andere Hausnummer. Diese wird zunächst auf das Gesicht angepasst und es wird geprüft, ob sie dicht ist. Danach wird sie mit vier Gurten am Kopf befestigt. Ich empfand es als nicht so störend. Mit ein wenig Konzentration kann man sie ignorieren. Das muss aber jeder sich entscheiden.

Bevor es dann wirklich losging, wurde mir noch genau erklärt, wie die Messung abläuft. Eine Stufe dauert 3:30 Minuten und teilt sich wie folgt auf: 3:00 Minuten in der aktuellen Stufe laufen, dann die Beine seitlich neben dem Laufband abstellen und am Rahmen festhalten. Blut entnehmen, Blutdruck messen und nach spätestens 30 Sekunden geht es weiter. Zum Start der Messung wurde Blut am Ohrläppchen abgenommen und der Blutdruck gemessen. Der Puls wurde ebenfalls registriert.

Die Messung startete bei mir auf sehr kleiner Stufe (6km/h), um den Wert des ersten Laktatanstiegs genau ermitteln zu können. Ich kam noch mit schnellem Gehen auf dem Laufband zurecht. Das fand ich persönlich gar nicht schlecht, da ich mich an die Maske gewöhnen konnte. 30sec vor Ende der ersten Stufe sagte man mir Bescheid. Als die zeit rum war stellte ich mich mit den Füßen neben das Laufband und dann ging alles ganz schnell. Ohrläppchen für einen Tropfen Blut ausquetschen und Blutdruck messen. Das Blut übernahm Frau Liening-Ewert und den Blutdruck ermittelte Dr. Middel.

Dann ging es wieder aufs Laufband. Bei der nächsten Stufe (7,5km/h) kam ich gemütlich ins Laufen. Alles ganz easy: Atmung locker, auch mit der Maske, laufen sowieso. So ging es dann für die ersten fünf Stufen weiter. Die drei Minuten Laufen waren noch nicht wirklich anstrengend und die Atmung klappte ziemlich gleichmäßig.

Zwei von den Laufbändern stehen nebeneinander und es wurde in meinem Fall auch noch ein weiterer Leistungstest bei einem anderen Läufer durchgeführt. Insgesamt liefen vier Mitarbeiter in diesem Bereich herum und begleiteten den Test. Das muss man natürlich alles ausblenden und sich auf das Laufen konzentrieren. Dazu die Atemmaske.

Zwei Stufen später sagte Frau Liening-Ewert: „Wir sind jetzt bei 12km/h“. Ich antwortete: „Dann wird es jetzt langsam interessant!“ Hier kamen wir in den Bereich der Belastung, der für mich für einen Halbmarathon interessant war. Langsam kam ich auch ins Schwitzen, was bisher nicht der Fall war. Anders als beim Intervalltraining auf Distanz, wird hier leider die benötigte Zeit nicht kürzer, je schneller man läuft. Die Dauer war festbetoniert auf 180sec. Man sagte mir, ich könne jederzeit abbrechen. Das würde die Messung nicht negativ beeinflussen und ich könnte wirklich bis an meine Grenzen gehen. Das ich das auch tat, fühlte sich nicht nur so an, sondern man bestätigte mir das auch im Abschlußgespräch.

Aber erst mal nahm ich noch Stufe 6 recht entspannt hin. Da ich direkt vor einem großen Spiegel lief, was ich persönlich ideal fand, konnte ich meine Lauftechnik gut kontrollieren. Das was man sonst im Training nicht sieht, konnte man hier beobachten. Selbst in Stufe 7 (15km/h) hatte ich noch keinen Grund, an meiner Lauftechnik zu mäkeln. Kurze Schritte, zunächst über den Mittelfuß, später mehr und mehr über den Vorfuß laufend und immer schön die Arme bewegen. Drei Minuten bei einem Pace von 4:00min/km können sich ganz schön ziehen. Als ich dachte, jetzt werden die letzten 30sec angesagt, sagte man mir aber: „So, die Hälfte auf dieser Stufe haben wir.“ Im Ernst? Okay, durchhalten. Mir war allerdings klar, dass ich die nächste Stufe vermutlich nicht mehr zu ende laufen könnte.

Stufe 7 war erledigt und jetzt kamen die 16,5km/h oder 3:38min/km für diejenigen, die sich darunter mehr vorstellen können. Ich konnte vor dem Tempowechsel wieder ins Laufen einsteigen. Das Geräusch des Laufbandes wurde in der Tonhöhe merklich höher und das Tempo wurde – für mich – brutal. Trotzdem hörte ich nicht auf meinen Kopf, der das Tempo überhaupt nicht mochte. Für 55sec machten meine Beine mit. Dann sagten Kopf und Beine „Tschüss!“ und ich musste frühzeitig aus der Stufe aussteigen. Zum Vergleich: ich laufe bei Tempointervallen im Stadion höchstens 3:45min/km auf 300m. Aber dass eben nur für etwa 70sec und nicht für 180sec. Grundsätzlich ist es eine große Hilfe für solche Belastungstests, wenn man harte Tempointervalle schon mal gelaufen ist.

20150122 medicos 04Jetzt wurde ein letztes Mal Blut genommen und der Blutdruck gemessen. Und ich hatte vier Minuten Zeit, um „auszugehen“ und etwas zu trinken. Bevor ich wieder entkabelt wurde, schnell noch ein Foto und dann ging es eine Etage höher zum Duschen. Ich solle mir ruhig 20-30 Minuten Zeit nehmen, da die Laktatwerte im Blut erst noch ausgewertet werden müssten. Das würde eh noch etwas dauern. Also zog ich ab. Ich merkte erst gar nicht, dass ich mein Shirt noch nicht an hatte. Ich fühlte mich ein wenig wie im Sommer im Stadion beim Intervalltraining. Kurz vor dem Bistro kam ich an ein paar Patienten vorbei, die mich eigenartig ansahen. Ich zog dann doch das Shirt an.

Auf den Fluren kamen mir jetzt andere Personen entgegen, die ebenfalls auf dem Weg zur Dusche unterwegs zu sein schienen. In Bademäntel gehüllt kamen sie aus den anderen Etagen. Wieder drängte sich das Bild des Hotels auf, wo die Gäste diesmal auf dem Weg zum Pool waren.

Die Dusche war eine Wohltat und ich ließ mir wirklich Zeit beim Umziehen. Jetzt stand noch die Auswertung und Beurteilung meiner Messung an. Ich erhoffte mir eine Aussage über meinen jetzigen Trainingszustand und einen Fahrplan für mein Ziel.

Im zweiten Teil des Berichtes schreibe ich darüber, wie die Auswertung ausfiel und welche Schlüsse ich für mich daraus ziehen konnte.

 

 


 

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