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ehm17 00 teaserOder: "Egmond laufen und sterben …" So dramatisch war der Egmond Halve 2017 dann doch nicht. Unter anderem deshalb, weil wir ziemlich untypisches Wetter erwischt hatten. Warum man durch tiefen Sand läuft und wie erlebnisreich eine Busfahrt sein kann, lest ihr hier. [M]

 

 

Vor dem Lauf

Auf der Suche nach einem Halbmarathon, den man in solider Zeit und entspannt laufen kann, kam Sebastian auf die Idee, den Egmond Halve zu laufen. Dieser findet immer ganz am Anfang des Jahres statt und führt 7km am Strand und direkt am Wasser entlang.

Zu dem gab es die Möglichkeit, das ganze als organisierte Busreise zu machen. Der Laufsportladen Lauflust in Gelsenkirchen bietet so etwas an. In kürzester Zeit hatten wir drei Läufer zusammen. Michael gesellte sich noch dazu. So schnell geht das manchmal.

Das Erlebnis mit der Busreise ging dann schon vor der eigentlichen Reise los. Hätte sich Sebastian nicht vorher mal beim Veranstalter gemeldet, hätten wir selbst wenige Tage vor der Reise noch keine Info zum Treffpunkt gehabt. So gab es dann aber am Dienstag vor dem Lauf eine ausführliche Email mit allen Infos. Geht doch!

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Der Morgen vor dem Lauf gestaltete sich dann im Ruhrgebeat wettertechnisch etwas problematisch. Zum Glück waren nur die Gehwege glatt. Die Straßen konnten gut und sicher befahren werden. Also erst mal sichere Ankunft in Gelsenkirchen-Buer.

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Abfahrt 7:30 am Busbahnhof Gelsenkirchen-Buer Rathaus. Hört sich früh an, dafür, dass der Lauf um 12:16 starten sollte. Wie sich herausstellte, war es aber der ideale Zeitpunkt. Vor dem Einsteigen bekamen wir die Startnummern, welche Lauflust für uns mit der Anmeldung ebenfalls organisiert hatte.

Mit einem kurzen Aufenthalt in Bocholt (Rees) und einem zusätzlichen Kaffee ging es dann weiter Richtung Holländische Küste. Von hier aus lagen noch gut zwei Stunden Fahrt vor uns.

Auf der Hinfahrt gab es schon einige aufgeregte Gespräche der Mitreisenden um uns herum. Das sollte aber nur der minimale Lautstärkelevel sein, wie sich auf der Rückfahrt herausstellen würde.

Je näher weiter wir uns der Küste näherten, umso wärmer wurde es. Wir hatten uns aus den Berichten der letzten Jahre Informationen angelesen, nach denen es dort gerne sehr windig und eben auch nicht sehr warm wird. Dementsprechend haben wir uns mit warmen Laufsachen eingedeckt.

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Um kurz nach 11 Uhr kamen wir auf dem Parkplatz in Egmond an. Wir konnten uns noch in Ruhe umziehen, was ein echtes Rätselraten war. Luftig anziehen und eventuell frieren, wenn der Windchill zu stark wird? Oder warm anziehen, da wir ja sowieso entspannt laufen wollten? Wir entschieden uns für „etwas wärmer“ und einen Windbreaker drüber. Auf jeden Fall mit langer Hose. Hätte man im Nachinein optimaler lösen können. „Hätte“!

Wir konnten mit dem Bus nur am Ortsrand parken, was aber immer noch viel besser war, als mit dem PKW so weit außerhalb parken zu müssen, dass man auf einen Shuttlebus zurückgreifen muss. Wir hatten noch einen Fußweg von ca. 1,5km zu absolvieren, um zunächst zur Event-Messe zu kommen.

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Auf dem Weg merkte man schon, dass hier ca. 17.000 Starter zum Ziel wollten. Menschenmassen strömten in Richtung der Sporthalle (Sporthal de Watertoren, Egmond), wo neben der Messe auch die Kleiderbeutel abgegeben werden konnten. Wir haben uns dazu entschieden, die Sachen im Bus zu lassen.

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Wir nutzten zwischendurch noch mal die Gelegenheit überflüssige Flüssigkeiten loszuwerden und machten uns dann so langsam auf den Weg zum Startbereich, der auf der Promenade (Boulevard Noord, Egmond) lag. Nachdem wir uns orientiert hatten, mussten wir uns auch schon etwas beeilen, um zum Start zu kommen.

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Mit zahllosen Anderen bewegten wir uns über die Straßen des Ortes in Richtung Meer und zur Promenade. Schon hier merkten wir, dass der Wind nicht die Stärke erreichte, die wir erwarteten. Auch die Temperaturen waren mit 8° immer noch deutlich über dem, was wir erwartet hatten. Abwarten.

Es gab auch ein gruppeninternes Motto für den Lauf: „Wir laufen für Fritten!“ Wir hatten uns fest vorgenommen, auf jeden Fall nicht nachhause zu fahren, ohne eine Portion Fritten zu essen. Das war doch mal ein gutes Ziel!

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Michael hatte leider einen anderen Startblock zugewiesen bekommen. Da die Blöcke aber aneinandergrenzten, überlegten wir, für welchen wir uns entscheiden sollten. Die Frage nach dem Startblock stellte sich plötzlich nicht mehr. Der eine Block war nämlich schon gestartet. Na dann… Es war aber unser Fehler, da wir recht spät im Startbereich ankamen.

Wir mussten auch nicht lange auf den Start warten, sondern gingen eigentlich kontinuierlich auf die Startlinie zu und dann war es auch schon so weit.

Auf jeden Fall hatten wir voll Bock auf diesen Lauf und freuten uns auf die vor uns liegende Halbmarathondistanz.

Der Lauf

Von der Promenade aus ging es zunächst um zwei oder drei Kurven Richtung Strand. Als wir diesen erreichten wurde es immer noch nicht windiger und eben auch nicht kälter. Dafür begrüßte uns der Strand mit knöcheltiefem Sand. Hoffentlich geht das nicht die nächsten 7km so weiter. So lang ist der Abschnitt am Strand nämlich.

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Aber nach etwa 100 Metern wurde der Sand fest. Je näher man an der Wasserlinie lief, umso fester war er. Wäre der Sand so tief geblieben, hätten wir diesen Abschnitt sicher nicht zuende gelaufen. So ging es immer mit einem sicheren Abstand zum Wasser in dem schier unendlichen Band von Laufenden. Das war ein beeindruckendes Bild. So weit man schauen konnte, sah man Menschen, die sich mehr oder weniger schnell in dieselbe Richtung am Strand entlang bewegten.

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Dazu kam die angenehme Luft. Man hatte das Gefühl mit jedem Atemzug doppelt so viel Sauerstoff in die Lungen zu bekommen, wie zuhause. Insgesamt eine geniale Kulisse, um zu laufen.

Wie im falschen Film kam uns allerdings der Saum aus Seesternen vor, den die Brandung hinterließ. Auf der gesamten Länge des Strandes lagen große und kleine Seesterne herum. Vermutlich waren diese tot. Es war ein unwirkliches Bild.

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Noch am Strand gab es den ersten VP bei km 5.

Lauftechnisch ging es uns gut und wir konnten den Lauf genießen. Vielleicht war es etwas warm, aber das störte bisher nicht.

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Den Abschluss des Strandes bildete ein Anstieg bei Castricum aan Zee. Der hatte es doppelt in sich. Neben dem eigentlichen nicht zu unterschätzenden Anstieg, gab es nämlich wieder knöcheltiefen Sand. Das kostete Kraft und ich versuchte Flüche zu unterdrücken. Allerdings halfen einem die anfeuernden Zuschauer mächtig dabei, den Anstieg durchzulaufen. Auch wenn mein Puls ziemlich in die Höhe ging, gelang es mir, den höchsten Punkt laufend zu erreichen. Bei solchen Aktionen zog es Sebastian, Michael und mich immer ein wenig auseinander, da jeder mit seinem individuellen Tempo an diese Passagen heranging. Ein kurzes Stück danach, sind wir aber wieder gemeinsam gelaufen.

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Es ging jetzt hinter dem natürlichen Deich auf einem unbefestigten Weg durch die Dünen. Dieser war recht schmal, aber es war unproblematisch andere zu überholen oder sich überholen zu lassen. In kurzen Abschnitten ging es leicht hoch oder bergab. Hier gab es noch weniger Wind und Kühlung und mit wurde langsam richtig warm.

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Nach wenigen km gab es aber schon den nächsten VP und diesmal ließ ich ihn nicht aus, sondern nahm mir gleich zwei Becher Isogetränk. Auch Sebastian und Michael tranken etwas. Keine große Pause, nicht zu stark aus dem Rhythmus kommen. Also weiter.

Ab km 12 liefen wir nur noch auf einem gepflasterten Radweg. Das kam mir entgegen. Die Landschaft wurde zwar immer noch von den Dünen und dem Marschland geprägt, aber der Weg schluckte nicht die Energie, die ich hineinsteckte. Nicht so, wie der sandige Boden.

Auf der zweiten Hälfte merkte ich schon, was der Sand mich auf den ersten Kilometern an Kraft gekostet hatte. Wir liefen zwar eindeutig schneller, als auf den ersten Kilometern, aber im Schnitt nur so, dass wir unter 2 Stunden bleiben. Dieser Abschnitt gerade ist etwas langweilig, was aber auch daran liegen könnte, dass wir so langsam müde wurden. Zumindest wurde ich es.

Am letzten VP haben wir nochmal nachgeladen und uns dann auf die restlichen Kilometer gestürzt.

Zwischenzeitlich motivierte es, dass wir noch recht viele Laufende überholen konnten. Diese sind vermutlich in dem Block vor uns gestartet. Allerdings überholten auch uns auch immer noch ein paar ambitionierte Laufende.

Das Stück zwischen km 16 und 19 verlief geradezu eben und auch geradeaus. Hier musste man eher geistige Stärke zeigen, um nicht einfach langsamer zu werden. Meine Motivation stieg mit jedem neuen km-Schild an. Aber man darf die „Macht der Fritten“ auch nicht unterschätzen. Jeder von uns hatte irgendwie schon den Geschmack im Mund. Das gab dann noch mal eine extra Portion Motivation.

Auf diesem Abschnitt meinte Sebastian auch, er wäre traurig, dass wir ja schon bald im Ziel wären. Er fühle sich gerade so, als könne er noch eine zweite Runde laufen. Nun ja … ich nicht.

Es ging mir nicht wirklich schlecht, aber ich freute mich, den Lauf anständig beenden zu können. Vermutlich würden wir solide unter zwei Stunden durchs Ziel laufen. Das reichte mir heute.

Waren die letzten beiden Kilometer länger, als die anderen zuvor? Zumindest kam es mir so vor. Und dann ging mir durch den Kopf, dass die Strecke theoretisch nochmal durch den tiefen Sand vom Anfang führen könnte. Ein wenig Frust kroch in mir hoch. Allerdings führte die Strecke dann doch weiter landeinwärts nach Egmond hinein. So kamen wir nicht mehr zum Strand: „Yes!“

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Die letzten 500m verliefen aber trotzdem mit einem leichten Anstieg bis zum Ziel. Das musste doch nicht sein, oder? Also noch mal die letzten Energiereserven aktivieren und vernünftig weiterlaufen. Das Publikum entlang der Strecke war besonders auf diesem Stück extrem motivierend. Man kennt das von den supernetten Holländer ja nicht anders, aber ich finde das äußerst sympathisch. Gerade in solchen Momenten. Ganz ehrlich: das liebe ich an den Läufen in Holland.

Nach dem Lauf

Also Fokus auf das letzte Stück. Noch 300m, 200m, 100m und es wurde wieder ganz flach. 3, 2, 1 … Uhr stoppen und entspannen. Wir gingen langsam bis zu der Passage, wo es ein Isogetränk gab, Bananen und die Medaille. Hier und da entdeckte ich noch bekannte Laufende. Ich nahm mir die Zeit für ein kurzes Gespräch. Das ging jetzt langsam wieder.

Das Überlaufen der Ziellinie war eine echte Genugtuung. Der Hauptsponsor Saucony schreibt sich „Find Your Strong“ auf die Fahnen und die Plakate. Hier trifft das absolut zu. Der Egmond Halve ist bestimmt kein normaler Halbmarathon. Viele der Hobbyläufer mussten an ihre Grenzen gehen oder darüber hinaus. Für mich war es definitiv der anstrengendsten HM, den ich nicht auf Zeit gelaufen bin. Trotzdem war es ein klasse Lauf. Gerade auch, weil man sich in der Gruppe gegenseitig am Laufen hält. Ohne Sebastian und Michael hätte ich sicher die eine oder andere Gehpause eingelegt. So hatte ich keine Gedanken daran. Ich meine damit nicht Gruppenzwang, sondern Motivation. Keiner hätte den Anderen schief angesehen, wenn er eine Pause hätte einlegen müssen. Aber so sind wir einfach durchgelaufen.

Nach ein paar Minuten und einem Gruppenbild machten wir uns wieder auf den Weg zum Bus. Erst mal aus den nassen Klamotten raus. Auf dem Weg sahen wir endlose Schlangen an den Shuttle-Bussen. Ernsthaft! Die müssen 200m lang gewesen sein. Da freut man sich, mit dem Bus gefahren zu sein.

Im Bus dann erst mal in trockene Klamotten und eine extra Portion Deo aufgelegt. Wir wollten ja noch unsere selbst ausgelobte Siegprämie einfordern. Also machten wir uns auf den Weg zur Sporthalle. Zum Glück war die Schlange an der Fritten-Bude nicht so lang und wir warteten gerne.

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Als wir die Fritten in der Hand hielten, war das ein gutes Gefühl. Der Lohn für die Anstrengung. Warm und lecker. Echt bekloppt, welche Strapazen man für eine Tüte Pommes auf sich nimmt. Läufer eben…

Auf dem Weg zum Bus waren wir uns einig: ein toller Lauf mit einer tollen Kulisse und einer sehr guten Organisation. Aber auch ein sehr langer Tag. Dieses Gefühl von „den laufe ich nächstes Jahr auf jeden Fall wieder“ stellte sich bei keinem von uns ein. Es war toll, Egmond gelaufen zu sein, aber damit ist das Thema auch durch. Für mich, auf jeden Fall.

Die Busfahrt zurück war für die Beine entspannend und ich freute mich erneut, die Option „Anreise mit dem Bus“ gewählt zu haben.Einziges Manko waren die sehr euphorischen Mitreisenden um uns herum. Die waren etwas laut, um es milde auszudrücken. Und später auch etwas zu sehr alkoholisiert, für meinen Geschmack. Es ließ sich nicht vermeiden ihnen zuzuhören. Die Gespräche rangierten so zwischen amüsant und fremdschämen. Wir wirkten dagegen sicher wie die allerletzten Spaßbremsen. Aber jedem das Seine.

Langsam wurde es Zeit, dass die Fahrt zuende ging. Nachdem wir wieder einen kurzen Stopp in Bocholt eingelegt hatten, freute ich mich endlich in Gelsenkirchen-Buer von der A2 abzufahren. Schnellstmöglich ging es jetzt zu Sebastians Auto, der uns nach Gelsenkirchen mitgenommen hatte, und dann weiter zu meinem Auto. Ich freute mich schon auf die warme Dusche. Sehr sogar.

Wenn man einmal einen außergewöhnlichen Halbmarathon laufen möchte, sollte man den Egmond Halve wirklich in Betracht ziehen. Ich hatte ja schon gesagt, dass ich wegen des zeitlichen Aufwandes daraus keine jährlich wiederkehrende Aktion machen würde, aber ich bin froh, einmal daran teilgenommen zu haben. Auch rückblickend kann ich über den Lauf sagen, dass er toll organisiert war. Die Markierungen und Beschilderungen im Ort um den Start zu finden waren gut und auf dem Weg dorthin fanden sich immer mal wieder mobile Toiletten. Der Startbereich war klasse und die Stimmung typisch euphorisch für eine Holländische Veranstaltung.

Die Strecke war sehr gut markiert und mit Kilometerschildern an jedem km versehen. Die VPs waren absolut ausreichend und die Helfenden waren freundlich.

Im Ziel hätte ich mir gewünscht, dass es etwas mehr freie Getränke gäbe. Eine Flasche Isogetränk mit dem Überreichen der Medaille war etwas knapp bemessen. Zudem ich noch eine widerliche Geschmacksrichtung erwischt hatte - aber das ist persönliches Pech. Dafür gab es ja an der Sporthalle später noch die Möglichkeit etwas zu Essen oder zu Trinken zu kaufen.

Für die Teilnehmenden, die mit einem PKW angereist waren, wurden, so wie bei der Anreise, zahlreiche Shuttle-Busse zu den Parkplätzen angeboten. Trotzdem waren die Schlangen schon extrem lang und die Wartezeiten für die Mitfahrt entsprechend.

Wer den Lauf aus der Luft sehen möchte, sollte sich sich diese absolut geniale Video nicht entgehen lassen. Michael sagte ja noch am Start bzw. am Strand: "Das müsste mal einer aus der Luft filmen!" Und voilá!

 

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Ich bin Matthias und Autor & Gründer von runHerne. Seit 2010 habe ich das regelmäßige Laufen für mich wiederentdeckt. Auf runHerne berichte ich über Events und Produkte rund um die Themen Laufen, Fitness und Crossfit. Meine Laufrunden befinden sich mitten im Ruhrgebiet.

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