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teaser imageKein Zeitdruck, kein Wettbewerb, kein Team ... aber einen Heidenspaß. So könnte man meinen Start beim Tough Mudder NRW kurz zusammenfassen. In Arnsberg wird der weltweit führende Kurs bereitgestellt, was das Höhenprofil angeht. Was dieser Kurs kann und wie ich ihn erlebt habe, lest und seht ihr in meinem Bericht zum Lauf. [M]

 

 

Meinen Vorbericht zum Tough Mudder könnt ihr übrigens hier finden.

2016-06-19

Der Tag des Tough Mudder NRW ist gekommen. Ziemlich genau fünf Monate nach der Bestätigungsemail des TMHQ (Tough Mudder Head Quarter).

Ich habe mich mit Sebastian verabredet, dass wir uns um 9:00 an der Autobahn treffen. Obwohl er nicht mitlaufen kann, will er mich nach Arnsberg begleiten, ein paar Bilder machen und sich das Spektakel als Zuschauer ansehen. Sein Bein ist zwar auf dem besten Weg der Genesung – so wie es aktuell aussieht – aber er möchte vernünftigerweise nichts riskieren. #allevernünftig

Ihr könnt übrigens alle Bilder zum Vergrößern anklicken.

Vor dem Lauf

Als ich mit Sebastian in Arnsberg ankommen, beginnt es gerade wieder leicht zu regnen. Das hat es die ganzen letzten Tage getan. Mal mehr mal weniger. Dementsprechend rechne ich damit, dass die Passagen, die matschig sein sollen, auch matschig sind. Das beginnt aber schon auf dem Weg zum Teilnehmerbereich. Der Weg ist schon so matschig, dass man selbst als Zuschauer den Matsch an den Schuhen hat. Daran sind die Teilnehmer vom Vortag sicher auch nicht ganz unschuldig. Wie ich kurz vor dem Start erfahre sind am Samstag bereits 8000 Laufende über die Strecke gepaced. Wow! Danach sieht es auch aus.

Der Check-In verläuft problemlos. Anhand des Ausweises wird die Identität geprüft. Danach wird die Startnummer ausgehändigt, welche mit einem wasserfesten Stift auf die Stirn oder den Oberarm übertragen wird. Das ist für die Zuordnung der Photos. Ich hoffe, der Stift lässt sich wieder entfernen.

Dadurch, dass es alle 20 Minuten eine Startwelle gibt, geht es im Teilnehmerbereich ziemlich entspannt zu. Es tummeln sich zwar eine Menge Leute, aber es ist nicht übermäßig voll. Mag sein, dass das gestern anders aussah, aber heute ist das ganz relaxed.

An einem Stand kann man Bilder machen lassen. Da wir wohl beide nicht auf langweilige Bilder stehen, ist dann soetwas dabei herausgekommen.

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Bevor ich meine Klamotten abgebe (was mit zus. 3€ zu Buche schlägt), schauen wir uns noch etwas um und nutzen am Olypus Stand die Chance für einen kleinen Scherz.

Am Merrell Stand lasse ich noch schnell meine Allout Terra Trail lasern. Das kann man dort kostenlos machen lassen. Coole Sache.

Dann geht‘s zur Kleiderabgabe. Hauptsache ich vergesse nichts wichtiges aus dem Rucksack zu nehmen! Beide Kamerahalterungen, Ersatzakkus, GPS-Uhr, alles klar! Auf eigene Verpflegung verzichte ich, da man auf der Strecke versorgt wird und maximal 18km nicht so wirklich lang sind.

Beim WarmUp brüllt der Instructor in das Mikro und heizt die Menge an. Ein paar Squads hier, ein Strecksprung da. Und dann noch ein paar Liegestütze und Supermänner im Matsch. Nun ja, das spare ich mir. Aufwärmen ist eh nicht so mein Ding. Wenn ich so in die Runde sehe, fällt mir auf, dass meine Altersklasse hier ausnahmsweise mal nicht die am stärksten vertretene ist. Die Teilnehmer sind in der Regel um die 20, wenn ich das richtig einschätze. Mal sehen, wieviel Vorteil ihre Jugend mit sich bringt.

Als das WarmUp vorbei ist, gehen wir auf den kurzen Weg zum Start. Ich quatsche noch kurz mit Sebastian und los geht‘s. Allerdings wartet vor der Startlinie schon das erste Hindernis … wie nett. Eine etwa zwei Meter hohe Holzwand. Lässt sich ganz gut auch alleine schaffen. Also zur Ziellinie.

Vor der Ziellinie wartet ein weiterer Instructor auf uns, welcher uns nochmal mit den Regeln und der wichtigsten Sicherheitshinweisen vertraut macht. Das ganze hat den Beigeschmack dessen, wo dieses Event seinen Ursprung hat. Entstanden ist der Tough Mudder aus den Übungen, die man mit Soldaten macht. Hier ist nicht gefragt, wer zuerst ankommt, sondern dass man ankommt und irgendwie auch zusammen. Es geht also wirklich darum anzukommen und sich gegenseitig zu helfen. Teamgeist steht im Vordergrund. Ich bin gespannt, wie sich das für mich als Einzelstarter umsetzen lässt.

So verwundert es nicht, dass der Instructor ziemlich ins Mikro schreit und die Teilnehmer eher einschwört als informiert. Er verrät auch, dass insgesamt 22 Hindernisse auf einer Strecke von gut 16km auf uns warten. Einige Passagen werden besonders matschig sein, da der Regen und die bisherigen Teilnehmer die Strecke ganz schön strapaziert haben. Eine wichtige Regel ist es, nicht zu jammern! Mal sehen, wie lange das klappt.

Da man dieses Event nur schlecht in Text und Fotos wiedergeben kann, hatte ich meine Aktioncam dabei. Was als 13min Doku dabei rausgekommen ist, könnt ihr euch hier ansehen. Viel Spaß!

Tough Mudder NRW 2016 - 16km Arnsberger Schlamm von Matthias (runHerne) auf Vimeo.

Den Schuh zum Film (Merrell Allout Terra Trail) gibt's übrigens hier...

Der Start

Das ganze Spektakel mit WarmUp und Briefing dauert etwa 15 Minuten. Mittlerweile ist der Regen etwas stärker geworden. Ziemlich genau um elf Uhr geht es los. Es wird noch einmal von Zehn runtergezählt und danach setzt sich die angeheizte und gespannte Menge in Bewegung.

Zunächst geht es über einen Acker, der noch recht passabel laufbar ist. Man kann in einiger Entfernung schon das eine oder andere Hindernis sehen, welches sich in diesem Gebiet befindet. Diese werden wir aber erst am Ende genauer sehen. Versprochen.

Im Internet sind keine 22 Hindernisse angegeben, sondern 14. Da wundert es nicht, dass der erste etwas tiefere Bachlauf, den wir queren müssen, auch in diese Zahl fällt. Neben mir höre ich die ersten Laufenden, die Bedenken haben, in nassen Schuhen weiter zu laufen. Wie war das mit dem Jammern?

Worauf man sich beim Tough Mudder definitiv einstellen muss ist der Schlamm (Mud). Gefühlt habe ich auf der ganzen Strecke nur etwa 100-200m unter die Füße bekommen, die nicht matschig waren. Jeder Wald weg, jeder Abschnitt entlang eines Ackers, jede Böschung, alles Matsch. Das liegt an dem Regen der letzten Tage und den Muddern, die gestern schon auf der Strecke waren. Im Video kannst du dir ein gutes Bild davon machen.

tough mudder 2016 3Das erste richtige Hindernis ist direkt Artic Enema 2.0. Hinter diesem wohlklingenden Namen verbirgt sich das Hindernis, welches mich am meisten Überwindung kostet. Die kurze Rutsche ins Wasser ist nicht das Problem, wäre da nicht die etwa 10cm hohe Schicht aus Eiswürfeln an der Wasseroberfläche. Zudem ist die Rustsche so kostruiert, dass man beim Rutschen auf jeden Fall den Kopf unter Wasser nehmen muss. Ich überlege nicht lange und gebe die Akku-Packs der Xiaomi Yi bei einer Helferin ab. Die Leiter rauf und zwei mal tief durchatmen. Ab geht die Post!

Die zwei oder drei Sekunden unter Wasser merkt man die Kälte noch gar nicht so richtig. Ich bin aber extrem damit beschäftigt, meine Atmung wieder in der Griff zu bekommen. Das Wasser hat etwa 4° und die Eiswürfel hätte ich lieber im Schuh, als im Wasser. In dem Augenblick, als ich auftauche, bin ich allerdings ziemlich froh, dass ich die Actioncam am Brustgurt befestigt hatte. Mein Kopfgurt ist nämlich nicht mehr am Kopf. Das hatte Sebastian vor dem Start noch gesagt: „Den wirst du da verlieren!“ „Ach quatsch, den halte ich einfach fest!“ Guter Vorsatz, aber leider nicht gemacht. Noch kurz danach gesucht, aber in der hellbrauen Eiswürfel-Suppe ist nix zu finden. Außerdem möchte ich auch nicht zu lange dort drin verbringen. Damit ist das kälteste Bad der Strecke überstanden.

In einiger Entfernung kann man das nächste Hindernis sehen: Heidis Weg. Na ja, nach den vielen Teilnehmenden hatte es eher etwas von Heidis Matschrutsche. Das bedeutet einen mindestens 45° steilen und 50m hohen Hang hoch, auf dem Hintern wieder runter und direkt danach wieder hoch. Ich habe allerdings die Variante Runter-Laufen gewählt. Das war übrigens nicht die „Ich verzichte“-Variante, denn dann wäre man seitlich am Hang bis zum Ende des zweiten Anstiegs gegangen. Wollte ich nur erwähnt haben.

Aber das war nur ein Vorgeschmack. Tendenziell ging es jetzt für mich die nächste 90 Minuten nur noch bergauf. Dieses unbestimmte Gefühl bestätigte das Höhenprofil der TomTom.

Vorbei an der nächsten Stellwand (The Hangover) ging es zum ersten Verpflegungspunkt. Hier warteten stilles Wasser (perfekt), Obst und Müsliriegel auf uns. Einer der freundlichen Helfer half mir sogar mit etwas frischem Toilettenpapier aus, um meine Actioncam etwas zu reinigen.

tough mudder 2016 4Den nächste Kilometer ging es zur Abwechslung mal bergauf … und durch Matsch … und durch Matsch bergauf. Der Liberator, das nächste Hindernis, ist eine Wand, an der man sich hochbewegen muss, indem man zwei kräftige Holzstifte Stück für Stück weiter nach oben in Löcher stecken muss, um sich daran hochzuziehen. Hier gab es einen ziemlichen Stau, da das Hindernis ziemlich anstrengend zu sein schien. Allerdings haben sich hier auch manche Teilnehmenden überschätzt und die Sanis hatten einiges mit Schürfwunden und kleineren Verletzungen zu tun. Beide Gründe zusammen haben mich dazu bewegt, das Hindernis mit der „Ich verzichte“-Variante zu umgehen.

tough mudder 2016 5Jetzt ging es erst mal wieder ein Stück auf die Laufstrecke. Allerdings eher flach, aber dafür nicht weniger matschig. Der Cage Crawl ist ganz bestimmt nichts für Leute, die ein Problem mit beengenden Situationen haben. Mit dem Gesicht nach oben, waren gefühlte drei Zentimeter Luft zwischen Wasseroberfläche und dem Bauzaun, der darüber gelegt wurde. Hier hieß es einfach: Augen zu und durch! Das Wasser war unerwartet angenehm. Wer allerdings wirklich Panik bekam, konnte entweder selbst den Zaun hochdrücke, die sind ziemlich leicht, oder einen der Helfer bitten, dies zu tun. Es waren auch immer maximal zwei Teilnehmende je Spur im Wasser, so dass die Helfer hier alles gut im Blick hatten. Einer der freundlichen Helfer hatte meine Akkupacks für die Actioncam trocken ans Ende der Strecke gebracht. Danke dafür.

tough mudder 2016 7Da man jetzt eh schon richtig nass war, konnte man beim Rain Man, dem nächsten Abschnitt, nix falsch machen. Das „Feuchtgebiet“ hatte alles an knietiefem Schlamm und matschigen Böschungen zu bieten, was man sich so vorstellen kann. Im Prinzip eine kleine Verschnaufpause für alle, die die Länge der Strecke etwas unterschätzt hatten und sich eher auf die Hindernisse vorbereitet hatten.

Es folgte wieder ein Hindernis, das ich umgangen habe: das Pyramide Scheme ist ein cooles Hindernis, wenn man mit mindesten drei Leuten im Team unterwegs ist. Eine glatte Schräge mit etwa 45° konnte nur überwunden werden, wenn sich nacheinander die drei Leute jeweils auf den Rücken legten und sich gegenseitig auf die Schultern stiegen. Da meine Schuhe ein ziemliches Profil hatten – was im Grunde sehr gut war – wollte ich nicht den Groll fremder Leute auf mich ziehen, indem ich mich mit den Schuhen in deren Schultern bohre. Also rechts dran vorbei und weiter.

Jetzt ging es weiter zum nächsten Verpflegungspunkt (VP). Vorher hatten die Veranstalter aber das allseits beliebte Huckepack vorgesehen. Zunächst eine unlösbare Aufgabe, wenn man alleine ist. Zum Glück war aber in einem anderen Team ein Teilnehmender übrig, der mir anbot mich den ersten Abschnitt auf seinen Schultern zu tragen. Wenn du jetzt denkst, dass das eine eigenartige Vorstellung ist, dann kann ich nur sagen: das stimmt! Aber ich dachte nicht lange nach und schon hang ich wie ein Sack Kartoffeln über Schultern und Nacken. Da der freundliche Mensch allerdings um einiges größer und schwerer war als ich, einigten wir uns darauf, dass ich ihn nicht tragen würde. Am VP gab es dann wieder Wasser, Obst und Müsliriegel. Ich trank in erster Linie etwas und machte mich locker laufend wieder auf den Weg.

tough mudder 2016 9Hier trennte sich so langsam die Weizen von der Spreu. Die Ermüdungserscheinungen bei einigen Teilnehmenden wurden immer deutlicher. Was nicht zuletzt an den scheinbar nie enden wollenden Anstiegen lag. Besonders ins Auge fielen mir dabei einige Teilnehmende mit dem Shirt einer nicht ganz unbekannten Sporthochschule. Die haben vermutlich mehr aus Spaß mitgemacht, denn so richtig fit sahen die nicht mehr aus.

 

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tough mudder 2016 11Nach ein paar weiteren schweißtreibenden Anstiegen – ich konnte es kaum noch glauben – kam dann der Funky Monkey 2.0. Abgesehen von den Hindernissen, die ich verweigerte, war das das Hindernis, welches am kürzesten dauerte. Zunächst sollte man sich an acht Sprossen leicht schräg hochhangeln und dann an einer Stange wieder langsam runter bis zum Ende. Für mich war der Spaß an Sprosse 1 vorbei. Die Sprossen waren so nass und rutschig, dass ich direkt den Halt verlor und gnadenlos ins Wasser stürzte. Egal. Rüberschwimmen, raus aus dem Wasser, Akkus einsammeln und weiter.

tough mudder 2016 12Nach einer kurzen Laufstrecke ging es jetzt zu einem Hindernis, dass dem Namen Tough Mudder alle Ehre macht: Mud Mile 2.0. Mittelhohe Lehmhügel, welche man irgendwie überwinden musste, um ans Ende des Hindernisses zu gelange – welches allerdings keine Meile lang war. Die Hügel waren zwar rutschig, aber man konnte von der Spitze des Hügels bis auf den nächsten Anstieg springen, so dass man eigentlich nicht im Morast landen musste. Einige ließen sich das aber trotzdem nicht nehmen.

Wie konnte es auch anders sein: es folgten wieder Anstiege und Schlamm. Mittlerweile habe ich km 12 überschritten und näherte mich den Berlin Walls, einem Klassiker der Teamarbeit. Lass es mich so sagen: ich habe die Berlin Walls untertunnelt! Also links dran vorbei. Dafür habe ich das Tempo wieder etwas angezogen. Das Gelände wurde jetzt etwas flacher. Auf der langen Strecke durch den Wald musste man noch das relativ unspektakuläre Hindernis Heuschnupfen überwinden. Hier galt es einige Heuballen in unterschiedlichen Höhen zu überspringen. Das war schnell abgehakt.

tough mudder 2016 13Jetzt ging es schon mit großen Schritten auf die letzten beiden Kilometer zu. Allerdings hielten diese noch vier Hindernisse der Extraklasse für uns parat. Vorher kam aber erst noch mal ein VP. An diesem konnte ich nochmal etwas Energie nachtanken und einen frischen Akku in die Actioncam einlegen. Das ging insgesamt erstaunlich gut. Allerdings muss ich mir das nächste Mal etwas einfallen lassen

Begonnen beim Birth Canal. Wie soll ich es sagen… So in etwa muss sich eine Geburt für ein Baby anfühlen. Zwar nicht so bewusst, aber so eng, leicht beängstigend und in etwa so schwierig. Vor dem Hindernis habe ich noch Sebastian getroffen, der mir sagte, dass er dieses Hindernis besonders gerne mochte. Auch weil in unmittelbarer Nähe ein Feld mit Hanf lag, welcher zu Forschungszwecken angebaut wurde. Von dort wehte immer eine leichte Brise herüber, was die Zuschauer in eine entspannte Atmosphäre versetzte. Nur mal so am Rande.

Einen engen Tunnel kriechend zu überwinden ist für viele Menschen schon eine echte psychologische Herausforderung. Man stelle sich jetzt aber vor, dass eine mit Wasser beschwerte Folie von oben drückt und einen spätestens auf der Mitte der Strecke davon abhält weiterzukommen. Ich konnte zwar versuchen, mich an dem Gestell des Hindernisses seitlich mit Händen und Füßen weiter nach vorne zu ziehen und zu drücken, aber es war extremst schwer. Bis ich die richtige Technik herausgefunden hatte, überkam mich mindestens zwei Mal die Angst, ich könnte tatsächlich feststecken. Mir entglitt der eine oder andere panisch angehauchte Lacher. Es ging keinen Zentimeter vorwärts. Ich musste mich erst neu fokussieren und nachdem ich etwas mehr zum Rand rutschte und den Druck auf mich etwas verringern konnte, ging es Zug um Zug weiter. Ich war recht froh, dass ich dieses Hindernis geschafft hatte.

tough mudder 2016 14Nach einem kurzen Gespräch mit Sebastian und der Übergabe meiner restlichen Akkus an ihn ging es dann weiter. Nach weniger als einem Kilometer – man konnte es jetzt schon erkennen – kam ich am Block Ness Monster an. Wieder ein Hindernis mit Team Spirit. Mit Hilfe anderer Teilnehmender musste man über vier riesige rechteckige Walzen hinwegkommen. Das ging nur, wenn auf der anderen Seite mindestens drei Leute die Walze soweit drehten, bis man diese mit dem eigenen Gewicht weiterbewegen konnte. Ist man über die Walze rüber, wartet man ab, bis man selbst ein paar weiteren Teilnehmenden geholfen hat und geht dann weiter zur nächsten Walze. Das Ganze wiederholt sich vier Mal und man hat das Hindernis geschafft.

Ein kleines Stück ging es wieder weiter, bis man das – meiner Meinung nach – coolste Hindernis erreicht hat: King of the Swingers. Ein geniales Hindernis, bei dem man von einem ca. 4m hohen Podest an eine Schaukel springen muss, um dann nach Möglichkeit eine Glocke zu läuten. Das klappt natürlich nicht immer, aber es macht einen Megaspaß, wenn man mit der Höhe kein Problem hat. Wie man in meinem Video sieht, hat die Teilnehmerin vor mir noch schnell einen Rückzieher gemacht, was mir spontan keinerlei Zeit zum Überlegen ließ. Das kurze Stück an die Schaukel gesprungen, geschwungen und leider zu etwas zu früh abgesprungen und die Glocke verfehlt. Egal.

 

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Der vorletzte Laufabschnitt lag vor mir. Es war nur noch ein kurzes Stück zu laufen bis zum Everest 2.0. Diese Quarter-Pipe machte schon ganz schön Eindruck, wenn man sie so sah. Dieses Hindernis war nicht zu überwinden, wenn nicht oben ein paar Leute darauf warteten, einen die letzten Zentimeter hochzuziehen. Ich habe zumindest niemanden gesehen, der es aus eigener Kraft geschafft hätte, hier hochzukommen.

Zum Abschluss folgte noch das gemeinste Hindernis: der Electric Eel. Zumindest war es nicht gefährlich. Da ich aber nicht wusste, was auf mich zukam, musste ich mich erst einmal mental darauf vorbereiten. Sebastian wartete an der Seite, um sich das Spektakel anzusehen. Ich nahme die Arme vor den Körper und versuchte mich so ein wenig vor den herabhängenden Kabeln zu schützen - was natürlich absolut sinnfrei war. Der Kuhdraht hang von einem Holzgestell herunter und reichte bis an die Oberschenkel herunter. In zufälligen Abständen wurden die Drähte mit einem ordentlichen Strom durchströmt und trafen die Laufenden irgendwie immer im richtigen Moment. Bei mir sorgte ein gnadenloser Stromstoß im Oberschenkel dafür, dass ich nur noch lachend versuchen konnte, meinen Sturz abzufangen. Das ganze Bein funktionierte für einen kurzen Moment nicht mehr richtig und ich stolperte und fiel in Stroh. Sowohl der Stromschlag, als auch der Sturz waren eher ein großer Spaß, als Schmerz. Zumindest habe ich ziemlich gelacht.

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Nach dem Lauf

Der Electric Eel war dann auch sowas wie die Ziellinie. Hinter diesem Hindernis konnte man sich sein Finisher Shirt abholen - das gab's nämlich erst nach dem Lauf. Ebenso gab es einen Bereich mit Getränken aus dem ich mir und Sebastian dann erstmal etwas zu Trinken besorgte.

Zu diesem Zeitpunkt war ich zum Glück nicht mehr ganz so vollgeschlammt, wie es zwischenzeitig war. Nach einer kurzen Pause ging ich dann direkt meine Klamotten holen und zog mich auf einem sauberen Stück Wiese noch auf dem Gelände um. Ich wollte jetzt doch langsam mal wieder trockene Sachen anhaben. Die Dusche sparte ich mir und wir machten uns direkt auf den Weg zum Auto.

Aber der Teil mit dem Schlamm sollte noch nicht ganz vorbei sein. Irgendwer meinte wohl, dass es doch gemein sei, dass Sebastian sich nicht einsauen durfte. Als ich mich dann zum zweiten Mal auf dem Parkplatz in der aufgeweichten Wiese festfuhr, halfen zwar auch einige der anderen Teilnehmer mit, den Wagen wieder fahrfähig zu machen. Allerdings drehten die Reifen so sehr urch, dass Sebastian - wie im Film - eine Ladung Schlamm abbekam. Er trug es mit Fassung.

 

Ihr solltet euch auch unbedingt das offizielle Eventvideo ansehen. Hier kann man die meisten Hindernisse und die Strecke aus coolen Perspektiven sehen!

 

Fazit

Der Lauf hat für mich alles das gehabt, was ich mir vorher erwartet hatte: keinen Wettkampfgedanke, Teamgeist dort, wo es nötig war, eine riesige Menge Schlamm, coole Hindernisse und eine große Portion Spaß.

Wenn man bedenkt, dass ich am zweiten Eventtag in einer der letzten Startwellen gestartet bin, kann ich der Organisation und den Helfern nur ein sehr großes Lob aussprechen. An den VPs musste man sich zwar häufig kurz anstellen, aber nie wirklich lange warten. Es war genug zu trinken und zu essen da. Die Hindernisse waren sehr professionell konstruiert, soweit ich das einschätze und erleben konnte, und die Helfer vor Ort waren nett. Es war in meinen Augen eine gute Entscheidung an einem Tough Mudder teilzunehmen.

Unter'm Strich muss sich jeder selbst fragen, ob es ihm das Geld wert ist, an einem solchen Event teilzunehmen. Allerdings würde ich lieber ein wenig mehr Geld ausgeben (89 - 105€) und dafür an einem ordentlich organisierten Event teilnehmen.

Mein Dank geht an Sebastian (@sebastianrennt), der mitgefahren ist und Bilder gemacht hat, obwohl er selbst nicht mitlaufen konnte. Seinen Bericht zum Event solltet ihr euch auch durchlesen.

Ich möchte mich auch nochmal beim Tough Mudder HQ bedanken, dass ich die Möglichkeit bekam, als Blogger kostenlos an diesen Event teilzunehmen.


 

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