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dolomiten 1 headerWas macht man, wenn man im letzten Urlaub nicht alles geschafft hat, was man am Urlaubsort schaffen wollte? Richtig: man fährt nochmal hin. Dazu muss ich sagen, dass wir im April 2017 eine wirklich tolle Woche erwischt hatten. Die Woche davor war in der Region ziemlich mäßig und die Woche danach war auch nicht so toll. Aber Campill hat sich in unserer Urlaubswoche von der besten Woche gezeigt. 2018 sollte alles anders werden.

Achtung: der Text kann Hinweise auf Marken und Produkte enthalten!  ;-)

 

Wir haben den Urlaub geplant mit dem Gefühl von schönem Wetter, Sonne, 15° und Wandern im frühlingshaften Gebirge. Irgendwie wollte das Wetter so gar nicht frühlingshaft werden. Immer wieder mal Schneefall und Temperaturen von deutlich unter 0°. Irgendwie total falsch. Obwohl wir bis kurz vor der Abfahrt gehofft hatten, das würde sich noch ändern, mussten wir kurzfristig alle Pläne umwerfen.

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Wohl oder übel mussten wir unsere Planung also von Sonne auf Schnee umstellen. Ist doch gar kein Problem. Oder doch? Nun gut, ihr kennt das: Klamotten, Sport, Freizeitaktivitäten, gut vorbereitet für ein komplett anderes Wetter. So wurden die Tage vor der Abreise etwas stressiger als gedacht.

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Vom Geplanten abweichen kann aber auch gut sein. Speziell im Fall von Schnee, muss man sich auf ganz andere Voraussetzungen einlassen. Wie anders diese werden sollten, würde uns erst vor Ort bewusst. Schnell checken, ob die Schneeklamotten noch passen oder falls nicht, ob man kurzfristig Ersatz beschaffen kann. Ersatzaktivitäten grob festlegen oder die geplanten Aktivitäten zumindest an das Wetter anpassen. Uns rauchten echt die Köpfe. Aber wir wollten den Urlaub a) nicht absagen und b) eine tolle Zeit haben.

Unser Zielort in Kürze

Das Dorf Campill liegt inmitten der italienischen Dolomiten, mit knapp 700 Einwohnern auf einer Höhe von 1400m über dem Meeresspiegel. ‚Inmitten‘ ist deshalb so treffend, weil man von hohen Gipfeln umgeben ist. Das Dorf liegt nicht nur in einem Tal, sondern auch am Ende des Tals. Hier endet die Straße. Kein Durchgangsverkehr. Traumhaft. Eine Reihe von interessanten Wanderwegen starten hier oder führen hier entlang.

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Zum Wetter in 2018 sei gesagt, dass wir von den Tagen vor Ort (Fr.-Nachmittag bis Mi.-Mittag) lediglich einen echt verregneten Tag hatten. An allen anderen Tagen kam die Sonne zumindest teilweise heraus und wir hatten ab Mittags Temperaturen um 10°. Das Wetter hat uns also auch in diesem Jahr nicht ganz im Stich gelassen.

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Tausche Übersättigung gegen pures Staunen

Im letzten Jahr erlebten wir die Dolomiten in genialem Frühlingswetter. Das war total klasse und hinterließ bei uns einen bleibenden Eindruck. So viel Schnee, wie wir in diesem Jahr sahen, habe ich noch nie in meinem Leben gesehen. Nicht nur, dass die Landschaft zeitweise komplett vom Schnee bedeckt wurde. Viel mehr auch die Schneehöhe von bis zu einem Meter habe ich noch nie erlebt.

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Hieraus ergaben sich natürlich einige witzige Situationen. Auf Wanderwegen, die wir bereits schneefrei gewandert sind, sackten wir mit normalen Schuhen bis zum Knie oder zur Hüfte ein. Das war unfassbar. Auf dem Weg lagen tatsächlich 100cm Schnee. Und das nicht in der Länge, so wie man es aus dem Ruhrgebeat kennt, sondern in der Höhe. Und dann noch auf einer riesigen Fläche. Nicht dort, wo man vom Gehweg den ganzen Schnee zusammengeschoben hatte.

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Nach unserer Ankunft in der Ferienwohnung wollten wir das besondere ‚Aha‘-Erlebnis vom Anblick des Pleitlerkofel (höchster Gipfel der Region) vom Würzjoch Pass aus genießen. Man kann den Fuß des Berges über einen kurzen Weg von der Hütte am Pass aus erreichen. Auf dem Weg bot sich uns ein komplett anderes Bild als im letzten Jahr. Aber es war auch genauso beeindruckend. Wir staunten, dass von den Zäunen entlang des Weges nur noch die obersten 5cm der Pfosten zu sehen waren. An der Hütte, die fast bis zur Hälfte eingeschneit war, sahen wir dann erst richtig, wie viel Schnee hier noch lag. Letztes Jahr lag hier zwar auch noch Schnee. Aber nur am unteren Rand des Berges. Die meisten Wiesen waren schon frei und das Schmelzwasser rann in kleinen Bächen bergab. Diesmal war noch alles weiß. Und nicht nur weiß, sondern bis zu 100cm hoch weiß.

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Tausche Traillaufen gegen Schneewandern

Da bei dem vielen Schnee in den meisten Fällen kein Traillaufen möglich war, suchte meine Herzensdame das Schneewandern für uns als Alternative heraus. Mit den riesigen Ungetümen von früher haben die heutigen Schneeschuhezum Glück nichts mehr zu tun.

Sie sind breiter und länger als normale Schuhe. Man schnallt diese an spezielle Schuhe, die man im Verleih bekommen kann oder hat eigene geeignete Schuhe. Wie sich herausstellte, waren unsere Merrell Capra GTX dafür vollkommen ausreichend. Ohne die Schneeschuhe wäre man mit nahezu jedem Schritt mindestens knietief eingesackt. So konnten wir aber vernünftig wandern und mussten die Füße entweder gar nicht oder aus höchstens 10cm tiefen Fußstapfen ziehen.

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Der normale Wanderschuh kommt in eine Bindung, welche beweglich gelagert ist. Während man den Fuß anhebt, dreht sich der Schuh auf Höhe der Zehengelenke und der Schneeschuh bleibt nahezu waagerecht zum Untergrund. Das sorgt dafür, dass man den Schneeschuh nicht wirklich merkt und man eine ziemlich natürliche Bewegung, fast wie beim Abrollen, ausführen kann.

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Zudem haben die Schneeschuhe an der Fußspitze eine grobe Kralle und jeweils an den Seiten der Füße kleinere Zähne, die dafür sorgten, dass man auf vereistem Untergrund festen Tritt hatte ohne wegzurutschen.

Zusätzlich kann man noch, so wie wir, mit Wanderstöcken arbeiten. Diese geben auf der einen Seite Halt und man kann seine Vorwärtsbewegung unterstützen. Irgendwo ziemlich in der Mitte des nächsten Bildes, kann man noch so gerade eben meine Frau erkennen, die hier ziemlich weit abseits des Weges gelaufen ist.

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Das war besonders auf der 6km langen Strecke von Pederü zur Lavarella Hütte wichtig. Auf den knapp 540m Höhenunterschied wollte ich nicht noch Kraft verlieren, indem ich bei jedem Schritt wegrutsche. Selbst mit groben Sohlen konnte man auf den meisten Abschnitten dieser Strecke keinen richtigen Grip bekommen. Anders sieht das mit den Schneeschuhen aus. Die bringen zwar knapp 1kg je Fuß auf die Waage, dafür kann ich aber effizient Schnee-wandern.

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Wir konnten uns auf die geniale Landschaft entlang der Strecke konzentrieren. Obwohl wir am Start in Pederü froh waren, über jede Lage, die wir an Kleidung an hatten, wurde uns in der Sonne so warm, dass wir mindestens eine Schicht auszogen. Trotz aller Schönheit der Umgebung war es aber auch anstrengend. An der Hütte haben wir uns eine kleine Pause, eine heiße Schokolade und etwas zu essen gegönnt.

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Das Experiment Schneeschuhwanderung war in meinen Augen ein voller Erfolg, da wir Strecken wandern konnten, die man mit normalen Wanderschuhen nur mit viel zusätzlichem Kraftaufwand hätte wandern können.

Manche Leute wollten sich die Anstrengung der Wanderung nicht antun und nutzten einfach das Schneemobil, welches man für die Strecke buchen konnte.

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Bei der nachträglichen Recherche sind uns noch CrossBlades aufgefallen, welche die Eigenschaften eines Schneeschuhs mit denen eines simplen und kurzen Abfahrtskis kombinieren. Das wäre für den Rückweg (bergab) ein tolles AddOn gewesen. Vielleicht beim nächsten Mal.

Der Tagespreis für die Schneeschuhe lag bei 8 Euro je Paar.

Tausche Ausdauerlauf gegen Skilanglauf

Ich kann dem Skiabfahrtlauf auf einer Piste nicht viel abgewinnen. Das gebe ich ehrlich zu. Aber ich wollte irgendwie einen Ersatz für meinen Ausdauerlauf finden, den ich ja in diesem Jahr hier auf jeden Fall machen wollte. Also planten wir Skilanglauf im Langlaufzentrum von Alta Badia, einem Nachbarort. Der Punkt war nur, dass keiner von uns das jemals zuvor probiert hatte. Wir erwarteten einen riesigen Gaudi auf unsere Kosten.

Für die Dame im Verleih schien es allerdings kein Problem zu sein, dass wir absolute Neulingen waren. Schnell waren die passenden Skier und Schuhe für uns gefunden und sie erklärte uns, wie einfach man die Schuhe an die Skier bekommen konnte.

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Auf dem Übungsplatz am Start der Loipen haben wir unsere ersten Schritte probiert. Dieser Platz war etwa so groß, wie ein Fußballplatz und bot genug Raum, ungestört zu üben. Erstaunlicherweise hatten wir nach etwa 20 Minuten ein wenig Übung. Sicherlich war bei den Bewegungen eine Menge Luft nach oben, aber wir fühlten uns bereits so sicher, dass wir auf die Strecke wollten.

Das Wetter war genauso sonnig, wie wir es in der Wettervorhersage gesehen hatten und wir hatten eine Menge Spaß. Auf der ersten Runde gab es eine paar witzige Situationen. In der erste Kurve nach etwa 500m lagen wir fast alle das erste Mal im Schnee. Das lag allerdings daran, das die Runde mit einer kleinen Abfahrt begann die zudem noch leicht vereist war. Wir bekamen so viel Tempo, dass wir in der ersten echten Kurve mangels Übung umkippten. Okay: lesson learned.

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Insgesamt legten wir etwa 7,5km auf zwei verschiedenen Strecken zurück. In dieser Landschaft war es wieder ein tolles Erlebnis. Mit jedem Kilometer bekamen wir mehr Übung und es machte zunehmend Spaß.

Auch wenn man die Anstrengung beim Skilanglauf nicht unterschätzen sollte, besonders bergauf, möchte ich behaupten, dass es selbst für Anfänger schnell zum Spaß wird.

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Ich fand, es war großartig, den Skilanglauf aka Nordic Ski aka Cross Country Ski auszuprobieren. Im Gegensatz zum Abfahrtlauf kann man sehr schnell lernen, wie man sich fortbewegt und wie man fährt ohne zu stürzen. Erwischt man, so wie wir, einen sonnigen Tag in einer tollen Landschaft, wird diese Aktion zu einem echten Erlebnis.

Die Skier, Stöcke und Skischuhe kosteten uns im Verleih rund 21 Euro für einen Tag. So weit wir das einschätzen konnten, war die Qualität und der Zustand der Sachen topp. Dazu kommen noch 6 Euro Tagesgebühr pro Person für die Nutzung der Loipen in Alta Badia.

Und dann war da noch das Rodeln…

Eigentlich müsste diese Aktion am Anfang des Textes stehen. Zeitlich gesehen bin ich also jetzt noch vor dem Schneeschuhwandern.

Für das Rodeln hatten wir uns im Skiverleih Schlitten geliehen. Wir hatten vor Augen, dass wir die Strecke von Pederü zur Lavarella Hütte, so wie im letzten Frühling, auf dem Hinweg wandern. Auf dem Rückweg wollten wir dann die Schlitten benutzen. So weit der Plan.

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Bereits nach 700m merkten wir allerdings, dass das nichts wird. Die Schlitten waren zu schwer, sie die ganze Strecke zu tragen. Aus dem letzten Jahr wussten wir auch, dass die Strecke unter diesen Bedingungen nicht vernünftig zu wandern war. Es gab zu viele vereiste oder matschige Abschnitte, die mit einer ordentlichen Steigung von bis zu 24% auf uns warteten.

Uns fiel nichts besseres ein, als oberhalb unserer Ferienwohnung einen Weg als Rodelbahn zu nutzen. Hier lag genug Schnee und das Gefälle war mehr als ausreichend. Aber irgendwie hatten wir uns das anders vorgestellt.

Am kommenden Morgen startete unser erster Schneewanderversuch am Ende des Tals in Campill. Dort lag zufällig auch die Naturrodelbahn, welche wir am Vortag nicht finden konnten. Als Alternative versuchten wir auf einer großen Wiese an unserem Parkplatz zu rodeln. Diese hatte einen guten Abhang. Es scheiterte allerdings daran, dass der Schnee dort bei jedem Schritt nachgab. Man sackte wieder locker zwischen knie- und hüfttief ein.

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Damit stand fest, was folgen musste. Nach dem Mittag fuhren wir zur Naturrodelbahn und hatten dort eine Menge Spaß. Hier konnte man richtig zügig durch die Kurven fahren und mit dem Gefälle war es eine gute Mischung zwischen schnellen und langsamen Teilstücken. Nach ein paar Abfahrten hatten die Kinder keine Lust mehr, die Strecke hinauf zu laufen und wir fuhren zurück.

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Und unterm Strich?

Ich hatte erst ein paar Bedenken, ob der Urlaub gut werden würde. Wenn man schon einen Urlaub macht, möchte man zwar in erster Linie einen Tapetenwechsel. Aber die ganze Zeit wegen schlechtem Wetter in der Ferienwohnung sitzen, möchte ehrlich gesagt auch niemand.
Umso mehr freute es mich, dass wir mit etwas Anstrengung (in erster Linie die Anstrengung meiner Herzensdame) doch noch zu einem schneeorientierten und abwechslungsreichen Urlaub kamen. Das Schneewandern in der tollen Landschaft bei tollem Wetter war ein geniales Erlebnis. Langlauf und Rodeln haben mir ebensogut gefallen und waren teilweise echt witzig. Da der Urlaub unsere Erwartungen erfüllt hat, habe ich keine Bedenken mehr, ein paar Tage im Schnee zu wiederholen.

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Einziges Manko ist die lange Anfahrt, die wir mit dem PKW gemacht haben. Von uns aus sind es etwa 930km, die man mit Pausen in etwas über 10 Stunden schaffen kann. Es bleibt anstrengend.

Da wir gerade überlegen, im Sommer oder spätestens Herbst erneut in die Dolomiten zu fahren, ziehen wir eine Reise mit dem Zug in betracht. Was daraus wird, schreibe ich womöglich beim Teil 3 meiner Dolomiten-(Love)-Story.

Edit: die Zug-Tickets für den Herbst sind schon gebucht und die Wohnung reserviert...

 

Wer an konkreten Infos zum Ort und der Region interessiert ist, kann mir gerne einen Kommentar hinterlassen oder mich direkt über die Kontaktseite anschreiben.

 

Für die Akten

Die folgenden Informationen dienen mir zur Erinnerung daran, was wir im Schnee verwendet haben. Ich möchte hier keine Werbung machen und habe durch das Nennen der Marken und Produkte keine Vorteile in irgendeiner Form.

Meine Schuhe für's Wandern und für den Schnee waren die Merrell Capra GTX. Bei den eher sportlichen Aktivitäten (Langlauf, Schneeschuhwandern) war ich in verschiedenen Wintertights unterwegs. Zur Aufzeichnung der Wanderungen und Skifahrten hatte ich meine TomTom Adventurer am Start. Meine Sonnenbrille von Northweek hat einen UV400 Schutz und hat polarisierte Gläser. Diese sorgen für eine angenehm abgedunkelte Sicht und deutlich mehr Kontrast. Die geliehenen Schneeschuhe waren die Salewa MS 999 Rocker PL. Die geliehenen Langlaufski waren von der Marke Fischer (keine Ahnung welches Modell).

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